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Toni Erdmann


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Toni Erdmann

oder: Vom zweifelhaften Glück, einen lustigen Vater zu haben

Unser nächster Spielfilm (nach der Doku-Matinée „Geheimnisvolles Äthiopien“) gilt vielen als der beste Film, der in den letzten Jahren in Deutschland gedreht wurde, und er war auch in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ für den Oscar nominiert. (Die Nominierung folgt einem komplexen Wahlverfahren und ist bereits ein halber Ritterschlag.) Die Kritik überschlug sich vor Begeisterung über diesen subtilen Film über ein nicht ganz einfaches Vater-Tochter-Verhältnis. „Toni Erdmann“ ist voller Komik, voller Humor – aber nicht ganz das, was man sich hierzulande unter einer Komödie vorstellt. Außer dem Oscar hat er auch die „Goldene Palme“ in Cannes und den Golden Globe knapp verpasst, was man bei der Produktion vermutlich nicht lustig fand. Auf der Habenseite stehen der schwer umkämpfte Kritikerpreis „Firpresci“, und fünf Auszeichnungen beim Euro-Oscar, dem Europäischen Filmpreis.

Mit 162 Minuten ist „Toni Erdmann“ ziemlich lang, was aber zur ruhigen Erzählweise des Films passt.

Ines (Sandra Hüller) ist Unternehmensberater und arbeitet in einer Zahlenmühle des Typs KPMG, Deloitte etc., wo sie sich schwer mit den Kollegen und dem Job tut. Ständig telefoniert sie, ständig steht sie unter Stress. Ihr Vater (Peter Simonischek) ist Musiklehrer, ein abgeklärter Alt-68er mit Hang zum Scherzen, der uns eher tragisch als witzig erscheint. Und dann mischt er sich in ihr Berufsleben ein… Das wird nicht ganz einfach für die junge Frau.

Wenn der Begriff „gesellschaftskritisch“ nicht seit vierzig Jahren inflationär gebraucht würde, könnte man diesen Film als gesellschaftskritisch bezeichnen. Wobei der Regisseurin Maren Ade ein melancholisch-liebevoller Blick auf die Welt der Karrierist/inn/en, Väter, Töchter, Amerikaner, Deutschen, Rumänen und Wirtschaftsprüfungskonzerne gelingt.

Zweite Meinung

Hier geht’s zur Filmkritik der „Zeit“: Tränen gelacht und ein bisschen gegruselt


Findest du das witzig, Papa? Unternehmensberaterin Ines (Sandra Hüller) hat es nicht leicht mit ihrem Vater (Peter Simonischek). Foto: filmwelt