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Unser nächster Film

A/D 2018, 114 Min., Regie: Nikolaus Leytner

Pate: Bürgervorsteherin der Stadt Bad Schwartau, Wiebke Zweig

Der Trafikant

Als die Programm-Arbeitsgruppe des Koki den „Trafikant“ aussuchte, ahnte niemand, dass dies einer der letzten Filme von Bruno Ganz († 16. Februar 2019) sein würde. Bruno Ganz hat in fast 60 Jahren unzählige Film- und Theaterpreise bekommen und an noch mehr Film- und Theaterproduktionen mitgewirkt. Größte Aufmerksamkeit fand  seine Rolle als Hitler in „Der Untergang“. Der Film, den jetzt das Koki zeigt, spielt ebenfalls im „Dritten Reich“, aber Ganz besetzt eine weit freundlichere Figur – einen gütigen, verständnisvollen Sigmund Freud.

Österreich im Jahr 1937: Der 17-jährige Franz Huchel (Simon Morzé) arbeitet als Lehrling an einem Wiener Kiosk, einer so genannten Trafik, und lernt dort von seinem Meister Otto Trsnjek (Johannes Krisch) alles, was es über Tabak, Zeitungen und „Hobelbroschüren“ zu lernen gibt. Er sehnt sich aber nach mehr Bildung und der Liebe. Wie praktisch, dass Sigmund Freud Stammkunde an der Trafik ist und dem jungen Mann mit Rat und Tat zur Seite steht. Das kommt Franz besonders gelegen, als er sich in die Varietétänzerin Anezka (Emma Drogunova) verliebt. Als Hitler die Kontrolle über Österreich übernimmt, rücken Liebesdinge für Franz allerdings in den Hintergrund.

Pressestimmen

Das Besondere am Roman war, dass der Autor die Warte der Naivität nie verließ. Diese Unschuld bewahrt den jungen Helden vor faschistischem Opportunismus. Diesem Geist bleibt Nikolaus Leytners Verfilmung treu. Konsequent nimmt er die Perspektive des Jugendlichen ein, der mit sich verdüsternden politischen Verhältnissen konfrontiert wird. Gerade im heutigen politischen Kontext drängen sich bedrückende Parallelen auf.
Neue Presse (Wien)

Eine immer noch starke Geschichte über den gar nicht so plötzlichen Einbruch des Undenkbaren in eine vermeintlich heile Welt. Wie fühlt sich das an, wenn eine bisher ungekannte Macht übernimmt und alles Recht mit Füßen tritt? Wenn stiller Widerstand verliert gegen Brutalität und Mitläufertum? Dazu gibt es nun immerhin diesen Film, der für den sogenannten Anschluss Österreichs im Jahr 1938 doch noch recht prägnante Bilder findet.
Berliner Zeitung

Mehrfach spielt der Film geschickt mit der Erwartungshaltung der Zuschauer. Er bedient sie, um sie im nächsten Moment zu unterlaufen. Unerwartete Wendungen sorgen immer wieder für Überraschungsmomente – bis zum konsequent erzählten, bitterbösen Ende.
Kunst und Film

In seiner gelungenen Verfilmung des Bestsellers von Robert Seethaler inszeniert Regisseur Nikolaus Leytner ein zunächst anheimelndes, fast kulissenhaftes Bild der Stadt Wien. Doch mit dem Aufziehen der Nazi-Herrschaft verdunkelt es sich immer mehr und wird zum Schauplatz von Gewalt und Opportunismus. Für Franz sind es in dieser getreuen Literaturadaption bewegte Monate des Lernens und der Entscheidung zwischen Anpassung und Widerstand, in denen er alles begreifen und alles verlieren wird.
MDR-Kultur

Null komma sieben „Ihren KoKi-Flyer, bitte!“ >>